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Telefilm Meran - Mario und Gottfried Deghenghi (Interreg III)

KURZBIOGRAFIE

Mario Deghenghi wurde 1925 in Baden bei Wien geboren und verlebte die ersten zwei Lebensjahre auf einem Landgut in Oberösterreich. 1927 übersiedelte die Familie nach Wien. Mario Deghenghi besuchte dort die Volks- und Hauptschule; 1945 schloss er seine Ausbildung an der Hotelfachschule ab. In den letzten Kriegsjahren wurde Mario Deghenghi für die Propagandakompanie dienstverpflichtet. Er wurde mit dem Filmen von amerikanischen Luftangriffen, den Einsätzen des Arbeitsdienstes der Erntehelfer und der Ausbildung der Nachrichtentruppen beauftragt. Nach der russischen Besatzung bekam er eine Anstellung bei der „Wien-Film“ am Rosenhügel, wo er mit der Wartung der Kameras betraut war. Die „Wien-Film“ bestand zu der Zeit aus einem einzigen Büro, das Mario Deghenghi mit dem berühmten Regisseur Georg Wilhelm Pabst teilte. Pabst arbeitete damals am Film „Der Prozess“, für den ihm ein Jahr später, 1948 in Venedig die Goldene Medaille für die beste Regie verliehen wurde. In dieser Zeit kam in Mario Deghenghi der Wunsch auf, Kameramann werden zu wollen. Mario Degheghi wurde Kameraassistent und Schwenker bei Willi Sohm, mit dem er im Auftrag der „Willi Forst – Film“ u. a. einen Dokumentarfilm über den russischen Wiederaufbau der gesprengten Donaubrücken und die Paraden am 1. Mai machte. Das Schwedische Rote Kreuz gab einen Film über die Ausspeisung von Kindern in Auftrag. Die Bezahlung erfolgte mit Farbfilmmaterial, mit dem Willi Forst Anfang der 1950er Jahre seinen Streifen „Die Wiener Mädeln“ fertig stellen konnte.

1947 zog Mario Deghenghi nach Meran, wo seine Eltern die Führung des Hotels „Astoria“ übernahmen. 1948 begann Deghenghis Filmtätigkeit in Südtirol. Er drehte im Auftrag der Kurverwaltung zusammen mit dem Fotografen Guido Jori den ersten Nachkriegsfilm „Merano in fiore“. Es folgten Filme über Südtiroler Unternehmen wie „Menz & Gasser“, "Zuegg", "Eosan" und "Durst". Durch Bruno Schöpf, dem Betreiber des damaligen Odeon-Kinos, begann die Freundschaft und langjährige Zusammenarbeit mit dem Filmemacher und Regisseur Karl Schedereit. Mit ihm drehte Deghenghi eine Reihe von Kultur- und Werbefilme, wie z.B. ihren ersten gemeinsamen Streifen „Malerwinkel am Mittelmeer“ oder „Die Holzschnitzer im Grödental“.

Anfang der 1950er Jahre begann die Zusammenarbeit mit dem Leiter der Volkshochschule Urania Meran, Bruno Pokorny. 1951/52 drehte Deghenghi u.a. den ersten Film der Urania „Grüsse aus Meran“. Daneben produzierte Mario Deghenghi Schulungsfilme für die Zahnarztpraxis Prof. Fritz Singer in Meran und Filme für das Schulamt, darunter den Streifen „Ogni giorno all’alba“, einen Beitrag über Schulkinder im Obervinschgau. Während dieser Arbeit kam es zur Begengung mit Dr. Josef Hurton, der gerade seinen Dienst in der Pfarre von Sulden aufgenommen hatte.

In die frühe Mitte der 1960er Jahre beginnt Mario Deghengi für das ZDF zu arbeiten in dessen Auftrag er u.a. Elisabeth Taylor und Richard Burton während ihrer Hochzeitsreise in Venedig filmte. In die Münchner Zeit fällt auch die Zusammenarbeit mit Max Gierke, dem berühmten Filmproduzenten und Verkaufsleiter von Gevaert. Gierke hat vor allem junge Filmleute beschäftigt, so auch Jost Vacano, der durch seine Arbeit als Kameramann in den Filmen „Das Boot“ (1981) und „Die unendliche Geschichte“ (1984) international bekannt geworden ist. Mit Gierke drehte Deghenghi auch die Serie „Die Grundgesetze“ für das Bayerische Fernsehen. Auf Gierkes Initiative drehte MarioDeghenghi zusammen mit Karl Schedereit als Regisseur den zweiten Film auf Cinemascope in Deutschland, den Dokumentarfilm „Der Golf von Neapel“. Die Produktion wurde mit der Bundesprämie ausgezeichnet. Dieser Arbeit folgte ein Auftrag der türkischen Regierung, einen Film über die moderene Türkei zu realisieren -ebenfalls im Cinemascope-Format.

Anfang der 1960er Jahre begann Mario Deghenghi als freischaffender Kameramann für die RAI in Bozen zu arbeiten und wenig später für den ORF in Innsbruck. 1969 drehte er mit Claus Gatterer den Film „Südtirol – 50 Jahre nach St. Germain“ aus der Serie „Menschen und Verträge“. Im selben Jahr gründete Mario Deghenghi eine eigene Produktionsfirma, die „Telefilm Meran“, die 2008 an seinen Sohn, dem Regisseur und Produzenten Gottfried Frank Deghenghi übertragen wurde.
In den Anfängen des Senders Bozen der Rai wurden eine Reihe von Kulturfilmen, wie „Die Südtiroler Musikkapellen“ oder „Südtiroler Künstler“ (z .B. ein Portrait über Markus Vallazza, 1972) und der 1. Farbfilm der Rai „Die gläsernen Berge“ gedreht. An der Produktion der Künstlerportraits hat Elisabeth Baumgarnter, die zu der Zeit Kunstkritiken für die Tageszeitung „Dolomiten“ schrieb, als Konsulentin mitgearbeitet.

Für die Rai und die Autonome Provinz Bozen hat Mario Deghenghi seit den 1970er Jahren in den vielfältigsten Themenbereichen gearbeitet: Energie, Wasser, Obstwirtschaft, Müllbewirtschaftung, über die Herstellung von Honig, u.v.a.m. Hinzu kamen eine lange Serie für die Berufsberatung über die verschiedensten Handwerksberufe und Auftragsfilme für Unternehmen, Gemeinden, Vereine und Private.

Mario Deghenghi hat für zahlreiche seiner Dreharbeiten Preise und Auszeichnungen erhalten, so z.B. den „Silbernen Enzian“ auf dem Bergfilmfestival in Trient für den Streifen „Ogni giorno all’alba“ oder den 1. Preis für die Dokumentarfilme über die Herstellung und Verarbeitung von Honig auf dem Weltkongress für Bienenzüchter „Apimondia“ in China.

Mit Anfang der 1990er Jahre ist Sohn Gottfried als Assistent in die Firma eingestiegen. Heute führt er als freischaffender Regisseur und Produzent die Arbeit seines Vaters weiter.

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